Rautenstrauch-Joest-Museum: Weltkulturen in Köln
Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) führt durch unterschiedliche Lebenswelten und fragt, wie Menschen wohnen, sich kleiden, Glauben ausdrücken, Status zeigen und mit Tod umgehen. Die Dauerausstellung nutzt dafür Objekte aus verschiedenen Regionen der Welt und ordnet sie thematisch. Die zwei Bereiche „Die Welt erfassen“ und „Die Welt gestalten“ verbinden Alltagsfragen mit der Geschichte, wie Museen andere Kulturen darstellen.
Kurzfakten zum Rautenstrauch-Joest-Museum
- Die Dauerausstellung umfasst rund 3.600 Quadratmeter.
- Sie gliedert sich in „Die Welt erfassen“ und „Die Welt gestalten“.
- Ein 7,50 Meter hoher Reisspeicher von Sulawesi steht im Foyer.
- Der Sammlungsgrundstock geht auf Wilhelm Joest zurück; Adele und Eugen Rautenstrauch stifteten seine Privatsammlung 1899 der Stadt Köln.
- Zu den Ausstellungsthemen gehören Wohnen, Kleidung, Schmuck, Tod, Jenseits und Glauben.
Die Welt erfassen: wie Vorstellungen entstehen
Der Bereich „Die Welt erfassen“ beschäftigt sich mit dem europäischen Blick auf andere Kulturen. Reiseberichte, Kunst und Museen haben über lange Zeit geprägt, wie Gesellschaften beschrieben, gesammelt und ausgestellt wurden. Das RJM macht diesen Blick selbst zum Thema. Für Besucher entsteht dadurch eine zusätzliche Ebene: Sie betrachten Objekte aus verschiedenen Lebenszusammenhängen und setzen sich mit den Wegen auseinander, auf denen diese Objekte in Museen gelangten und dort Bedeutung erhielten.
Diese Perspektive zeigt, wie Auswahl und Präsentation kulturelle Darstellungen prägen und welche Fragen ein Objekt aufwirft. Die Ausstellung regt dazu an, Herkunft und Deutung zusammenzudenken und die eigenen Erwartungen an ein ethnologisches Museum zu reflektieren. So verbindet der Bereich die Exponate mit der Geschichte ihrer Sammlung und Präsentation.
Die Welt gestalten: Alltag in vergleichbarer Perspektive
Im Themenkomplex „Die Welt gestalten“ stehen unterschiedliche Lebensentwürfe im Mittelpunkt. Wohnen, Sterben und die Darstellung von Status sind konkrete Erfahrungen, die Gesellschaften unterschiedlich gestalten. Objekte machen diese Unterschiede anschaulich: Ein Gegenstand kann praktische Aufgaben erfüllen und zugleich soziale, religiöse oder ästhetische Bedeutung tragen.
Der Themenbereich stellt solche Lebensformen in ihren jeweiligen Zusammenhängen vor. Beim Wohnen lenkt der Vergleich den Blick darauf, wie Bauweise und Ausstattung auf Umwelt und Alltag abgestimmt sind; Objekte zu Kleidung, Schmuck und Glauben ergänzen die Perspektive um soziale und religiöse Bedeutungen.
Ein Reisspeicher und Musik als Auftakt
Schon im Foyer begegnet Ihnen eines der auffälligsten Objekte: ein 7,50 Meter hoher Reisspeicher von der indonesischen Insel Sulawesi. Der Schnitzer Ne’Kambane fertigte ihn in den 1930er-Jahren aus Holz, Bambus und Rotang. Seine Größe macht ihn zu einem markanten Auftakt des Museumsbesuchs; zugleich verweist er auf die Bedeutung des Reisanbaus und auf die lokale Identität, die sich in Architektur und Gestaltung ausdrücken kann.
Ein Gamelanorchester aus Java mit mehr als 50 Instrumenten führt in die Klangwelt der Ausstellung ein. Musik ergänzt die Betrachtung der Objekte um eine sinnliche Erfahrung und vermittelt Kultur auch über Klänge. Wer den Rundgang beginnt, erhält damit bereits im Eingangsbereich zwei unterschiedliche Zugänge: eine architektonisch prägnante Speicherform und einen Klangraum, der zum Zuhören einlädt.
Sammlungsgeschichte und heutige Museumsfragen
Die Geschichte des RJM ist mit Wilhelm Joest verbunden. Nach seinem Tod stifteten seine Schwester Adele Rautenstrauch und ihr Mann Eugen 1899 seine Privatsammlung der Stadt Köln. Die Dauerausstellung bezieht diese Entstehungsgeschichte ebenso ein wie die Frage, welche Verantwortung ein ethnologisches Museum bei der Auswahl und Präsentation seiner Bestände trägt.
Im ersten Obergeschoss wird die Rolle ethnologischer Museen thematisiert. Eine Installation des Künstlers Nando Nkrumah setzt sich mit strukturellem Rassismus und mit der Wirkung rassistischer Bilder auseinander. Im zweiten Obergeschoss führen Sammlungsobjekte zu Kleidung und Schmuck, Tod und Jenseits sowie Glauben. Kunstwerke und ihre Herkunftsorte bieten einen weiteren Schwerpunkt. So verbindet das Museum thematische Begegnungen mit einer kritischen Betrachtung der Institution selbst.
Das RJM im Kölner Museumsbesuch
Das Rautenstrauch-Joest-Museum erweitert die thematische Spannweite der Kölner Museumslandschaft um Lebenswelten und Sammlungsgeschichte. Im Kolumba stehen Kunst, Kirchenruine und Architektur in Beziehung; das Museum Ludwig konzentriert sich auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Für den eigenen Rundgang hilft es, zunächst ein Thema auszuwählen – etwa Wohnen oder Schmuck – und anschließend den Perspektivwechsel auf Sammlungsgeschichte und Museumsdarstellung einzubeziehen. Die thematische Auswahl verbindet einzelne Objekte mit größeren Fragen des Alltags und der kulturellen Deutung. Wer mit Familie oder in einer Gruppe unterwegs ist, kann verschiedene Fragen auswählen und später vergleichen, welche Exponate besonders im Gedächtnis bleiben.
FAQ zum Rautenstrauch-Joest-Museum
Was zeigt die Dauerausstellung des RJM?
Sie vergleicht Lebensweisen und kulturelle Ausdrucksformen weltweit. Themen sind unter anderem Wohnen, Kleidung, Schmuck, Status, Tod, Jenseits und Glauben.
Was ist der Reisspeicher im Foyer?
Es ist ein 7,50 Meter hoher Speicher von Sulawesi, den der Schnitzer Ne’Kambane in den 1930er-Jahren aus Holz, Bambus und Rotang fertigte.
Was bedeuten „Die Welt erfassen“ und „Die Welt gestalten“?
„Die Welt erfassen“ untersucht europäische Darstellungen anderer Kulturen in Reiseberichten, Kunst und Museen. „Die Welt gestalten“ stellt unterschiedliche Lebensentwürfe weltweit vor.
Warum behandelt das Museum seine eigene Sammlungsgeschichte?
Die Art des Sammelns und Ausstellens prägt, wie Besucher Kulturen wahrnehmen. Das RJM macht diese Vermittlungsrolle zum Thema und zeigt, wie sich Deutungen und institutionelle Verantwortung reflektieren lassen.